Evoloop Communication | Der SnapTag: Ablösung für den QR-Code im Mobile Marketing?
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Der SnapTag: Ablösung für den QR-Code im Mobile Marketing?

Der SnapTag: Ablösung für den QR-Code im Mobile Marketing?

Gerade schickt sich der QR-Code an, im Zuge der zunehmenden Mobilisierung des Internets den wohlverdienten Siegeszug anzutreten und sich aus der Nische der technikverliebten ‘early adopter’ zu befreien, da taucht nun recht plötzlich und unerwartet ein Konkurrent auf, der das Zeug dazu hat, sich insbesondere bei Marketern im B2C Umfeld extrem beliebt zu machen. Die Rede ist vom SnapTag, ein hierzulande noch völlig unbekanntes Konzept. Dieser Artikel vergleicht die beiden Verfahren zunächst als Selbstversuch eines normalen Anwenders, um dann die jeweiligen Eigenschaften zu vergleichen.

Mein erstes Mal mit dem QR-Code

QR-Code im Mobile Marketing

  1. Appstore aufrufen (Android oder iOs)
  2. Nach QR suchen und aus der Liste ein kostenloses QR-Lesegerät laden
  3. Installation abwarten
  4. Altersbeschränkung bestätigen (Ja, ich bin älter als 17)
  5. App starten
  6. Die Kamera auf den QR-Code ausrichten und den Scan abwarten
  7. Wir werden nun auf eine (aufwändig für Mobilgeräte optimierte) Internetseite geleitet

Beim zweiten Durchgang gilt es nur noch:

  1. App finden (kann dauern, je nach App-Dichte auf dem eigenen Smartphone)
  2. Ausrichten
  3. Fertig

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Mein erstes Mal mit dem SnapTag

Snap Tag im Mobile Marketing

  1. Kamera des Handys starten (ein einfaches Nokia oder Motorola tut es also auch)
  2. Den SnapTag ins Visier nehmen und das Foto schießen
  3. Foto aufrufen und dann ‘versenden’ wählen
  4. Auswählen: MMS oder e-Mail?
  5. Bei Mail: Keinen Betreff schreiben, dafür die “Fehlender Betreff”-Warnung wegklicken,
  6. Die Größe des Anhangs festlegen (hmm… ab welcher Größe ist zu klein oder zu groß?) und „Senden“.
  7. Warten. Kann ja sein, dass die Antwort weggefiltert wird… Ich warte weiter und langweile mich.
  8. Die Mails checken. Nach einer Minute dann der Eingang der Mail. Das kann ein Gutschein sein, ein Video, oder ein Link zu einer Seite. Interessant ist, dass die Kommunikation komplett unabhängig von einer Website laufen kann.

Wertung aus User-Sicht

  • Der Usability-Vorteil des Snaptag erscheint mir marginal, und ohne Download einer entsprechenden ‚SnapTag-Reader Smartphone-App‘ (Hilfe!!) auf Dauer sogar schlechter. Hier gibt es viel zu lesen und zu bestätigen, und eine e-Mail Adresse oder Rufnummer soll fehlerfrei eingetippt werden. Fehleingaben wird der Anwender nicht bemerken.
  • Problematisch ist auch, dass der SnapTag NOCH unbekannter als der QR-Code ist, d.h. aus der Entfernung nicht als Code identifiziert wird (anders der Abgrund-hässliche QR-Code, der aus jedem Design vortrefflich hervorsticht). Ohne Instruktionen geht nichts, und die verursachten Mühen können nur durch handfeste Anreize überwunden werden (Prozente, Geschenke, Exklusive Inhalte, etc.).
  • Der SnapTag ist im Gegensatz zum QR-Code eine proprietäre Technologie (also Eigentum eines Unternehmens, statt offener Standard). So lange das so bleibt, stehen die Chancen hinsichtlich Akzeptanz durch die User schlecht.

Wertung aus Marketing-Sicht

Aus Sicht des Marketers ist der Snaptag dem QR-Code deutlich überlegen:

  • Verbreitung: Jedes ‘normale’ Mobiltelefon mit Kamera kann genutzt werden, um teilzunehmen. Nicht einmal die Internet-Verbindung ist erforderlich, denn die Kommunikation findet wahlweise auch per MMS und SMS statt (um z.B. einen Promo-Code anzufordern, den man dann im Geschäft vorzeigen kann).
  • Stärker für den Dialog: Kommunikation per E-Mail ist deutlich ‘näher’ und verbindlicher, und birgt mehr Chancen für eine Vertiefung der Beziehung. Zwar kann die zunächst gewonnene e-Mail-Adresse nicht direkt (ohne Opt-In) verwertet werden, aber die Zustimmung kann durch zusätzliche Anreize erleichtert werden. Der Snap-Tag-Versender ist bereits eine in seiner Inbox protokollierte Beziehung eingegangen, und oft nur einen Klick vom Opt-In entfernt. Der Besucher des QR-Ziels bleibt dagegen unerkannt, und müsste für eine Vertiefung der Beziehung noch einiges tun (z.B. Formular ausfüllen und seine E-Mail-Adresse fehlerfrei eintragen – auch nicht Jedermanns Sache auf einem Smartphone).
  • Stärker für die Marke:Dazu kommt, dass das Unternehmen die Marke im Zentrum des Snaptags abbilden kann, der Besucher also eine gewisse Zeit mit dem Fokussieren des Logos verbringt, und sich die Marke durch die Kombination aus Sehen und Handeln wesentlich nachhaltiger einprägt.

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SnapTags in Anzeigen: Magazin ‚Glamour‘ absolviert erfolgreichen Test

Werden am Ende die Lifestyle-Magazine dem Code zum Durchbruch verhelfen? Der Verlag Condé Nast hat 2011 einen sehr erfolgreichen Test mit SnapTags (Projekt „Instant Gratification“) abgeschlossen, in dem Marken von HTC über GAP und Lancome ihre Anzeigen im Magazin Glamour mit SnapTags ausstatteten. Im Zentrum des Code-Rings war das Ziel der Aktion abgebildet, z.B. wurde der Leser zur Facebook- oder Twitter-Seite geleitet und konnte dort Gutscheine gegen einen „Like“ oder „Follow“ eintauschen. Die Aktion war ein großer Erfolg, und im März 2012 ist eine Ausgabe geplant, bei der man über den SnapTag sogar shoppen kann. Solche Erfolgsbeispiele können durchaus dafür sorgen, dass Verlage dieses Modell auch in Deutschland ganz schnell einführen. Die Kombination aus Magazin + SnapTag + Social Media + Shopping ist ein mögliches Wachstumsfeld für Verlage und könnte für steigende Anzeigenerlöse sorgen, weil auf die ‚Impression‘ unmittelbar die ‚Aktion‘ folgen kann (d.h. die Schuhe ‚direkt aus dem Heft heraus‘ bestellen, oder ‚Fan‘ der Marke werden und daraufhin einen Wertgutschein auf das Handy bekommen).

Allerdings: Leser mussten zunächst eine App laden, d.h. die oben beschriebene Vorgehensweise (E-Mail eingeben) wollte der Verlag seinen Lesern nun doch nicht zumuten. Hier geht’s zum Bericht

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Keine Chance für den Snaptag
im Land der Datenschutzbesorgtheit?

Allerdings dürfte diese Form des Marketings gerade in Deutschland auf ganz praktische Widerstände stoßen: Denn hier weigern sich viele kategorisch, die eigene E-Mail-Adresse oder Mobilnummer herauszurücken – das Vertrauen in den verantwortungsvollen Umgang mit den Daten fehlt (leider zu Recht). Eine Aktion, die aber nur dann funktioniert, wenn man durch seine Rufnummer oder seine E-Mail identifizierbar wird, kann hierzulande – zum heutigen Zeitpunkt jedenfalls – nicht funktionieren. Das gilt um so mehr, als dass die Daten komplett über einen US-Anbieter geleitet werden, der diese Technologie in Eigenregie entwickelt. Kaum vorzustellen, wenn der Anbieter sein Entwicklung einstellt oder die Nutzungsbedingungen verändert, nachdem man eben erst eine Kampagne damit gestartet hat. Schade eigentlich, der SnapTag ist eine wirklich runde Sache – aber eine Ablösung für den offenen Standard des QR ist er nicht.

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3Comments
  • Christian Bolz/ 06.01.2012Antworten

    Hallo Tim,

    zumindest optisch macht der SnapTag ja einiges her. Wobei man ja auch beim QR-Code grafische Individualisierungsmöglichkeiten hat (siehe http://mobilebrandblog.wordpress.com/2011/12/30/grafisch-individualisierte-qr-codes-selbst-erstellen/). Werde die SnapTags auch mal testen, aber zumindest nachdem was du beschrieben hast, hört sich das fur Nicht-Nerds zu kompliziert an…

    Gru?e

    Christian

    • Tim Adams/ 09.01.2012Antworten

      Stimmt! Allerdings werden viele Marken eine solche Platzierung nicht zulassen, die sind ja oft recht strikt, was die Positionierung des eigenen Logos anbetrifft (Mindestabstände usw.). Was ich vermisse bzw. begrüßen wurde, ist eine Kennzeichnung dessen, was man nach dem Scan des Codes sehen wird, evtl. ganz einfach in hervorgehobener Textform: VIDEO, DOWNLOAD, RABATT, GESCHENK, WEBSITE, STUDIE, BERATER, usw… Hier hätte der Snaptag natürlich die Nase vorn, denn man könnte das im Kreis tatsächlich abbilden, was einen erwartet. Viele Grüße,

      Tim

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